400 Euro Jobs

Immer wieder gibt es Anfragen für Produktionen, die für 400 Euro (netto) gedreht werden sollen.

Es gibt bestimmt Mitbewerber, die bereit sind, in dieser Preiskategorie zu arbeiten. Gerade wenn man unerfahren ist und / oder am Anfang seiner Tätigkeit steht nimmt man solche Jobs gerne mit, um Erfahrungen zu sammeln und evtl. einen Fuß in eine Tür zu bekommen.

Leider ist diese Herangehensweise wenig förderlich, weder für den Producer noch für den Auftraggeber:
– Der Producer merkt früher oder später, dass er nichts verdient. Der vermeintliche Fuß in der Tür entpuppt sich als nicht lukratives Geschäft.
– Der Auftraggeber ist mit der Situation konfrontiert, dass er minderwertige Qualität einkauft und mit häufig wechselnden Producern arbeiten muss.

Ein Rechenbeispiel:
400 Euro…

abzüglich 30 Euro Fahrtkosten
abzüglich 65 Euro Musiklizenz
abzüglich 50 Euro Sprecherhonorar (es gibt Sprecher, die für diesen Kurs arbeiten)
abzüglich 18 % Einkommenssteuer-Rücklage, entspricht 72 Euro
abzüglich 8,2 % Krankenversicherung über KSK 32,80 Euro
abzüglich 9,45 % Rentenversicherung über KSK 37,80 Euro

Rest: knapp 110 Euro für einen Zeitaufwand von ca. 9 Stunden.

Jetzt kann man sagen: Das ist doch immerhin mehr als das, was manch anderer verdient. Ja, aber nur theoretisch. Denn solche Aufträge kommen nicht kontinuierlich, sondern vielleicht 5 x im Jahr von einem Kunden.

Den Vogel abgeschossen hat aber eine Agentur, die einen Kameramann anfragte für den Dreh kurzer Clips von kleinen Betrieben / Handwerkern. Die bezahlten 80 Euro pauschal für den Dreh inkl. Anfahrt bis zu 100 km. Die Rechnung wurde dann auch noch erst 4-6 Wochen nach Rechnungseingang bezahlt. Die sind allerdings inzwischen auch nicht mehr am Markt – warum wohl?

Ich weiß nicht, wer damit angefangen hat, die Preisspirale in diese Richtung zu drehen – Producer oder Kunden. Sicherlich ist es durch DSLR-Videos etc. einer immer breiteren Schicht möglich geworden, günstige Videos zu produzieren. Aber hier wird sich spätestens dann die Spreu vom Weizen trennen, wenn es darum geht, von dem Job leben zu müssen.

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